Akt

Akt in Bewegung

Überraschung, emotionale Beschäftigung wünscht sich Bogdan Pascu, bei dem ich eine Woche ein Seminar in Schruns besucht hatte.

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Seine Beschäftigung mit der Kunst ist prozessorientiert und intuitiv. Die intensive sinnliche Erfahrung, die Leidenschaft während der Arbeit als Mittel zur Erkenntnis betrachtet er als zentrales Ziel der künstlerischen Auseinandersetzung. Qualität steht in direkter Relation zur Intensität der sinnlichen Erfahrung und zur Fähigkeit der Dauerbegeisterung.

Verdichtung, Vertiefung, Konzentration und Selbstdisziplin sind konstante Parameter der Malerei. Recherche, Dokumentation, Kontext, sozial-politisches Engagement, Themenbezug sind dem malerischen Prozess untergeordnet. Bilder müssen auf verschiedenen Wahrnehmungsebenen erfahrbar sein.

Expressive Gestik und der Arbeitsduktus sowohl in der Zeichnung als auch in der Malerei sind hervorzuhenben. Malerei bleibt immer offen, unfertig. Bilder sind Baustellen und Spielwiesen. Fehler und Korrekturen bleiben sichtbar und werden zu Gestaltungsmittel.

Aktmalerei

Wenn die Zeichnung, die Figur nicht stimmt, kann das Bild auch gemalt nichts werden. Man kann allerding beim Malen korrigieren…. Du kannst durch den Hintergrund die Figur nicht kaschieren oder besser machen, die Figur muss stimmen und den Hintergrund kannst Du erstmal vergessen ….. Sich auf den Hintergrund einzulassen, kostet zu viel vergeudete Energie …. Das ist mir dann alles zu belanglos, Du musst zorniger werden, wütender, das ist die einfachste Methode, wenn Du Mut hast, dann geht’s. ich könnte gar nicht ohne Wut zeichnen ….. Konzentriere Dich nicht auf die ganzen Blätter, sondern auf die Figuren ….. Vielleicht solltest Du ein wenig größer arbeiten und leichter, nicht gleich so schwer, ein paar Auswüchse …. Du malst das was Du sowieso kannst, aber wenn Du dich ein bisschen drauf einlässt, dann hast Du andere Möglichkeiten, guck ein bisschen drauf, was da passiert, und wenn Du die Proportionen beherrscht, dann machst Du einen großen Oberkörper, oder einen kleinen. Ein bisschen hingucken, das ist eine Mischung aus Hingucken und dem was Du vorhast …..

Anregungen von Prof. Markus Lüpertz während des Grundstudiums im März 2019 in Kolbermoor.

Aktzeichnen

Unter Aktzeichnen versteht man die bildnerische Darstellung des nackten menschlichen Körpers. Beim Aktzeichnen steht die Skizze im Vordergrund. Im Gegensatz zum Akt Malen, bei dem Flächen, Farbe und Duktus des Pinselstriches im Vordergrund stehen, wird beim Aktzeichnen mit Konturen und Formen gearbeitet. Graphit, Kreide und Kohle kommen zum Einsatz. Es geht darum, Proportion, Bewegung, Geste, Haltung, Form, Licht und Schatten in Konturen und Schraffierungen zu fassen.

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Zeichnen kann man lernen, es ist eine Frage der Übung, Malen dagegen benötigt Inspiration und Kreativität. So dient Aktzeichnen der Beobachtung und dem gedankenschnellen Übertragung des Beobachteten auf das Blatt. Vom Moment des Erfassens mit den Augen bis zum Wechsel des Blickes auf das Blatt, werden die Wahrnehmung, das Abspeichern und die Wiedergabe von Details trainiert.

Der Akt verzeiht dabei nicht. Jeder erkennt seht schnell Abweichungen und Unkonzentriertheit. Der menschliche Körper ist ähnlich wie das Portrait extrem intolerant auf Fehler und Ungenauigkeiten. Je häufiger trainiert wird, desto schneller und detailgetreuer wird die Zeichnung.

Das lebende Aktmodell ist wichtig, es lässt in jeder Situation eine Perspektivänderung zu, die der Proportionsfindung dient. Mit einer zweidimensionalen Fotografie als Vorbild lässt sich das kaum erreichen.  Am ehesten noch könnte eine Statue ähnlich wirkungsvoll als Modell eingesetzt werden.

Von Bedeutung ist auch die Kenntnis der anatomischen Grundlagen  und Zusammenhänge des menschlichen Körpers. Nicht, dass man ein Medizinstudium daraus machen sollte, aber der Blick auf ein Skelett oder in Trainingsbücher für Muskelpartien ist kein Fehler.

Unsere Dozenten an der Akademie der Bildenden Künste in Kolbermoor legen Wert auf sehr kurze und mittellange Zeichnungsintervalle. So werden am Beginn jeder Doppelstunde mehrere zweiminütige Aktskizzen gezeichnet.  Diesem Ritual folgen 15 minütige Stellungen, bei denen Details, wie Füße, Hände oder Kopfhaltungen geübt werden können. Wesentlich für eine gelungene Aktzeichnung ist auch die Erfassung der „Nervigkeit“, wie sie unser Prof. Markus Lüpertz, bezeichnet, also die Sichtbarmachung der körperlichen Spannung und Gliedrigkeit der Muskeln. Die Abbildung des unbekleideten Körpers in Spannung ist eine schwierige künstlerische Aufgabe. Das Ergebnis des Aktzeichnens bezeichnet man als Akt.

Bildhauerschule Geisler-Moroder

Mario Gasser ist ein international renommierter Künstler und Bildhauer. Er arbeitet in Holz, Stein und Metall. Sein Lehrauftrag an der Schnitz- und Bildhauerschule Geisler-Moroder im Tiroler Lechtal bot im September 2018 die Gelegenheit,  einen einwöchigen Lehrgang in Bildhauerei und Modellieren zu besuchen und mit ihm zu arbeiten.

Die Holzbildhauerei hat in der Familie Geisler-Moroder eine 400-jährige Tradition. Als Ausbildungsstätte gibt es die Schnitzschule Geisler-Moroder seit über 35 Jahren. Heute präsentiert sie sich als internationale Schule mit höchsten Ansprüchen. Besonderer Wert wird auf handwerkliche und künstlerische Professionalität des Unterrichts gelegt. Erfahrene Dozenten vermitteln Grundwissen und -techniken des Bildhauer Handwerks, das die Basis für die Umsetzung individueller Gestaltungsideen im künstlerischen Bereich bildet.

Modellieren bildet die visualisierte Vorstufe zum Bildhauen. Für Abwechslung sorgt die Vielfalt der verwendeten Materialien: Modelliert wird mit Ton, Plastilin oder Wachs. Plastilin ist immer wieder verwendbar und Wachs dient als Modellmaterial für das Ausschmelzverfahren beim Bronzeguss. Vorwiegend arbeitet man in den Kursen jedoch mit dem vielfältig einsetzbaren Modelliermaterial Ton. Die Arbeiten können in der Schule gebrannt werden. Durch den Brennvorgang ist Ton ideal für ein beständiges künstlerisches Endprodukt. Neben praxisbezogenen Tipps und Vorführungen werden verschiedene Module Theorie parallel zum Unterricht angeboten.

Sommerakademie Kolbermoor

Die Spannung zwischen dem was man vorhat und dem was man sieht und was der andere in dem Bild entdeckt, was man selber gar nicht selber weiß, das ist das was hier stattfindet.

Zeichnen ist eine brutale Sache. Du siehst den Strich und du siehst ob du es hinkriegst oder nicht. Das ist das brutale am Zeichnen. Deswegen: Du musst dich nie damit beschäftigen, wie das aussieht, (wie das wirkt), sondern du musst dich damit beschäftigen, was du davon hast (gelernte Erkenntnis). Und versuche nie was zu illustrieren, oder zu kaschieren, damit es so ein bisschen nach was aussieht, oder was. Das vergiss! Die Zeichnung ist für den Maler wichtig, weil …. mit der Zeichnung denkt der Maler.

Die Arbeit kann in einer Sekunde erledigt sein oder in 3 Tagen. Es gibt keine Zeit in der Kunst! Und was Du schnell machst kann aussehen als ob es lange gedauert hat, und umgekehrt, du musst spielen damit. Du bist frei von solchen Dingen.

Es geht um´ s Individualisieren. Es geht nicht darum, dass du eine neue Zeichnung machst, es geht darum, dass du eine individuelle Zeichnung machst. Nie gucken was man schon einmal gesehen hat und denkt, da muss ich hin. Das ist zwar lehrreich, aber nur dass man sieht, man kann was erreichen, man kann da irgendwo hingehen. Aber du musst deinen eigenen Weg finden, egal auf welcher Position du kommst, egal wo du stehst, egal was du vorhast, du musst deine Zeichnung entdecken. Und wenn Du deine Zeichnung entdeckst und trotzdem bei dem Akt bleibst, der da liegt, dann hast Du es geschafft.

Es gibt in der bildenden Kunst nichts Neues, es gibt nur neue Künstler der Malerei (erster großer Lehrsatz) da müsst ihr euch wirklich dran halten, denn im Vergleich stellt man Qualität fest. Wenn wir uns vergleichen können, wir müssen uns jedem vergleichen der irgendwo schon mal ein Bild gemalt hat, dann sieht man genau wo man steht und was man vorhat, und da nicht dem Mut verlieren, das ist eigentlich die große Leistung und wichtiger als das Talent, was meistens völlig überschätzt wird.

Wenn ihr das betretet, dann ist das ein Weg der ist schwierig, der ist eigenartig, man gebiert auch mit dieser Absicht eine eigene Unzufriedenheit. Man ist nie mit sich zufrieden. Es ist nicht immer Spaß, es ist auch Unspaß. Es gibt Momente, da verzweifelt man, da will man aufhören, man hat die Schnauze voll, aber das sind Dinge, die gehören dazu. Und das ist ja Leben. Und dieses Leben über die Malerei zu begreifen und zu definieren, ist eines der großartigsten Erlebnisse, die man erleben kann.“ (Prof. Markus Lüpertz, August 2018)

Pochoirs

Pochoir und Stencil ist eine Bezeichnung für Graffiti oder Street-Art, die mit Hilfe von Schablonen angebracht werden. Die Technik fand in Frankreich zum ersten Mal in größerem Stil künstlerische Verwendung (Blek le Rat)

Im Gegensatz zum freihändigen Graffito benötigt das Stencil die Anfertigung der Schablonen. Diese werden in der Regel aus Pappe, aber auch aus Kunststoff oder laminiertem Papier und – seltener – auch aus Metall oder Holz gefertigt und eignen sich dann für eine häufige Wiederholung eines Motivs. Komplizierte und großflächige Artefakte werden auf dünnem Maschendraht montiert. Die Kombination verschiedener Schablonen erlaubt mehrfarbige Motive. Zum Auftragen der Farbe können neben der Sprühdose auch Stupspinsel/Stupfpinsel, Ölkreide und Airbrush verwendet werden.

Die Technik der Erstellung von Motiven mittels einer Schablone ist so alt wie das künstlerische Schaffen der Menschheit selbst. Bereits die Steinzeit-Menschen spritzten Farbe beispielsweise über ihre Hände, die sie an eine Wand hielten, und erzeugten auf diese Weise ein Negativabbild.

Die Kombination von Pochoir mit Lithographien, Holzschnitten, Holzstichen, Zeichnungen oder Radierungen wandelte die Dekorationstechnik zu bildender Kunst. Jean Saudé, ein französischer Grafiker in Paris, veröffentlichte 1925 Traité d’enluminure d’art au pochoir, einen Leitfaden für die Pochoir-Technik. (Quelle: Wikipedia)

Die hier gezeigten Grafiken wurden mit zwei Schablonen mehrfarbig auf einen mit Acryl und Emulsionsfarbe vorbehandelten Malgrund (Fotokarton 300 g, und Dorée Papier 170 g)  gesprüht. Die Grafiken messen jeweils 70 x 50 cm.

Featuring Itten

Johannes Itten war ein Schweizer Maler und lehrender Meister am Bauhaus in Weimar. Itten  entwickelte eine Farbenlehre und gilt als Begründer der Farbtypenlehre. Nach dem Studium seiner „sieben Farbkontraste“ wollte ich die von ihm empfohlenen Übungen nicht auf einem Schachbrett Muster ausführen, sondern  an einem mir bereits bekannten Motiv aus dem Aktunterricht  ausprobieren.  (2 mal Acryl auf Leinwand 140 x 70 cm)

Durch seine Lehrtätigkeit und die Arbeit mit Studenten am Bauhaus wurde Johannes Itten zum Begründer der Farbtypenlehre. Itten betrieb neben seiner Lehrtätigkeit als Kunstmaler am Bauhaus Weimar auch Untersuchungen zur Wirkung von Farben. Dabei interessierte ihn als Maler das Zusammenwirken von Form und Farbe. Sowohl die Zuordnung von Farben zu Formen als auch das umgekehrte Verhalten brachte ihm bei der Zusammenarbeit mit seinen Schülern weiterführende Kenntnisse, die in seine Theorie einflossen.

Johannes Itten  (* 11. November 1888 in Wachseldorn, Schweiz; † 25. März 1967 in Zürich) hat eine umfangreiche Farbenlehre (Hauptwerk: Kunst der Farbe, 1961) aufgestellt. Die ursprünglich von seinem Lehrer Adolf Hölzel entwickelte und später von Itten ausgearbeitete Theorie der „Sieben Farbkontraste“ wird an verschiedenen Kunsthandwerk- und Kunsthochschulen gelehrt. (Quelle: Wikipedia)

Hautspannung

Aktmalerei in Öl verlangt zunächst ein Gefühl für Proportionen und Plastizität. Den nachfolgenden  Ausführungen lagen Kohle-, Pastell- und Graphit-Skizzen aus dem Aktunterricht zugrunde, die auf größere Fotokarton Formate (100 x 70 cm) und Leinwände (140 x 75 cm) mit Licht und Schatten Effekten in Graphit übertragen wurden. Details, wie z.B. Hände, wurden nochmals nachgestellt und einzeln ins Bild hinein gesetzt.

Alle Figuren wurden zunächst in Öl auf mit Emulsion (EVA, altrosa) präparierte Blätter/Leinwände gemalt. Auf die Nachbearbeitung des Hintergrunds wurde bewusst verzichtet. Dadurch wirken die Bilder jetzt „grafisch“ mit wenig Tiefenschärfe. In einen weiteren Arbeitsgang wurde versuchsweise der Hintergrund von zwei Aktbildern nachgearbeitet und mit Emulsionen in Grau, Blau, Violett und Rot behandelt. Die Licht-/Schattenwirkung verstärkt nun die Plastizität der Figur. Allerdings nimmt der neue Hintergrund auch einen Teil der Aufmerksamkeit des Betrachters in Beschlag, sodass das Auge zu wandern beginnt.

Die Arbeiten entstanden an der Freien Kunstakademie in Überlingen im Dezember 2017 und bilden eine Serie mit den Portraits in Öl und Acryl, die im Herbst abgeschlossen wurden. Aus einer Grundmischung von Hautfarbe –Typ und Kalt- Warmabwandlungen wurden auf der Palette fünf bis sechs Grundtöne gemischt und flächig ins Bild gesetzt und anschließend nass in nass vermalt.

Aktstudien in Kohle

Im September und November 2017 hatten wir verschiedene weibliche und männliche Aktmodelle in unserer wöchentlichen Doppelstunde an der Freien Kunstakademie Überlingen. Die uns selbst gestellte Aufgabe war, in einem Format von 100 x 70 cm Blatt möglichst plastische Körper zu zeichnen. Die Posituren wurden zeitlich auf max. 15 – 20 Minuten limitiert. Ich habe mich für Kohle und zur Aufhellung des grauen Papiers etwas weiße Kreide entschieden. Die Maltechnik beinhaltet ein einfaches Verwischen und Reiben nach dem Konturauftrag. Auf Proportionen sowie auf Kopf, Hand und Fuß wurden diesmal ebenfalls ein besonderes Augenmerk unseres Dozenten Antonio Zecca gelegt.

Lithografie

Die Lithografie ist das älteste Flachdruckverfahren und gehörte im 19. Jahrhundert zu den am meisten angewendeten Drucktechniken für farbige Drucksachen. Während die Lithografie auf Steindruckbasis beruht, haben wir an der Freien Kunstakademie Augsburg ein Verfahren kennengelernt, das die Übertragung von Lithofolie und sogar Fotokopierpapier zulässt.

Als Vorlage und Motiv diente eine grob gerasterte Fotomontage von sieben Einzelakten, die ich 2016 während meines Akt-Kunstunterrichtes an der Freien Kunst-Akademie in Überlingen angefertigt hatte. Sie wurden später in einem Fotobearbeitungsprogramm in ein neues Umfeld  im Freien projiziert und bilden nunmehr eine montierte „Gruppe Badender“.  Im Lithotransfer-Verfahren entstanden daraus 15 experimentelle Blätter in DIN A4 und DIN A3 (mit und ohne Untermalung) auf Dorée-Zeichenkarton und  Silberburg-Büttenpapier.

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