Siebdruck

Experimenteller Siebdruck

Es hatte mich sofort angesprochen und interessiert, als ich davon las. Ein neues Verfahren ermöglicht die sehr einfache Herstellung von Sieben. Die Freie Kunst Akademie Augsburg unter Leitung von Rainer Kaiser bot hierzu einen einwöchigen Kurs im August 2017 an.

Es geht dabei weniger um die technische Optimierung des Verfahrens, als vielmehr um die künstlerische Einbindung des vereinfachten Siebdrucks in den Aufbau und die Komposition des Bildes. Als Vorlagen dienen herkömmliche Laserdrucke oder Kopien, die direkt ohne aufwendige Filmherstellung auf das Siebmaterial kopiert werden (Thermofax) . Das Beschichten und Auswaschen des Siebes entfällt dabei völlig.

Durch die Vereinfachung des Druckvorganges können in kürzester Zeit spannende Siebdrucke auf Papier (plane Flächen) entstehen. Da die Herstellung technisch völlig unkompliziert ist, kann man sich ganz der Komposition und dem künstlerischen Konzept widmen. Auch der Druck auf andere Materialien wie Leinwand, Metall oder Glas ist Teil des Programms, interessant für alle die Fotografie und andere Strukturen in ihre Malerei einfließen lassen möchten.

Ich hatte mir ein einziges Motiv („Mann im Straßencafé“, eine Szene, die ich 2015 in der Innenstadt Innsbrucks fotografiert hatte ) für die Woche vorgenommen und wurde von der Vielfalt der darstellerischen Möglichkeiten überrascht. Insgesamt hatte ich acht Siebe mit unterschiedlichen fotografischen Tontrennungen und Schwellenwerten angefertigt und in einer Art Stufendruck meherere Ebenen und Farbschichten erzeugt. Zum Abschluss konnten wir ergänzend auch Wachs als weitere Bearbeitungsebene einsetzen (Druck auf Wachs und Druck unter Wachs), das die Siebdrucke mit Radierungselementen ermöglichte.  So entstanden 25 rechte unterschiedliche Druckblätter in den Größen ca. 35 x 25 cm auf Dorée-Zeichenpapier und Hahnemühle Bütten-Kupferdruckkarton .

Cyanotypie und Siebdruck

Die Cyanotypie, auch als Blaudruck, Eisenblaudruck bekannt, ist ein altes fotografisches Edeldruckverfahren mit typisch cyanblauen Farbtönen. Im Jahr 1842 entwickelte der englische Naturwissenschaftler und Astronom Sir John Herschel dieses Verfahren. Die Cyanotypie war das dritte Verfahren nach der Daguerreotypie und Talbotypie/Kalotypie zur Herstellung von stabilen fotografischen Bildern. Es ist ein Verfahren, das auf Eisen und nicht auf Silber beruht, welches sonst bei der herkömmlichen Herstellung von Photoabzügen verwendet wird. An der Freien Kunstakademie Augsburg wurden wir im künstlerischen Sinne in das experimentelle Verfahren eingeweiht. Daneben wurden auch Schwarz / Weiß Siebdrucke gefertigt, die einen Kontrast zur Cyantotypie bilden.

Selbstportrait

Bewegung und Dynamik festzuhalten war das Ziel der Arbeiten, die zu diesem Selbstportrait im Stufensiebdruckverfahren geführt haben. Ausgangspunkt war eine fotografische Dreifachbelichtung mit Blitzintervallen während der Kopf sich dreht.  Nach mehreren Schritten der digitalen Bildverarbeitung entstand schließlich im September in meinem Atelier eine Serie von 25 Blättern im Stufendruckverfahren mit fünf Sieben. Die Blätter (300 g/qm Fotokarton) wurden unterschiedlich prärariert, teils mit Gyclée Print, teils grundiert mit EVA Dispersion und danach mit Aerosols für die Wirkung des Lichteinfalls besprüht.  Jedes Blatt misst 70×50 cm, wobei die Kombination von vier Blättern zu einer größeren Tafel mit den Maßen 140×100 cm den seriellen Charakter und die Dynamik der Aufnahme unterstreicht.

Aus dem gleichen Grund wurden sechs Drucke auf Digitalprints ausgeführt, die eine Hausfassade und ein vorbeifahrenden Motorrad zeigen. Ein Experiment, das ich schon bei der Serie der Balletttänzer ausprobiert hatte. Hier sollte der Eindruck entstehen, das Selbstportrait sei großformatig als Graffiti auf die Häuserwand gesprüht.

Martin Luther

Im August 2016 enstand an der Europäischen Kunstakademie Trier eine Serie von 17 Drucken, die Martin Luther gewidment sind. Im Jahr 2017 wurde des Thesenanschlags vor 500 Jahren gedacht werden. Im Jahr 2018 jährte sich der Todestag von Martin Luther King zum 50sten mal.

Am 4. September 1517 stellte Luther zunächst 97 Thesen vor, um einen Disput über die scholastische Theologie – die wissenschaftliche Denkweise und Methode der Beweisführung – unter seinen Mitdozenten anzuregen. Im Oktober verfasste er weitere 95 Thesen, die direkt auf den Ablass Bezug nahmen, schickte sie in einem Brief an Albrecht und verbreitete sie unter Anhängern. Diese Thesen soll er am 31. Oktober am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. Der Thesenanschlag wurde lange Zeit als Legende ohne historisches Fundament betrachtet, gilt jedoch nach der Entdeckung einer handschriftlichen Notiz von Georg Rörer, Luthers langjährigem Sekretär, im Jahr 2006 wieder als wahrscheinlicher.

Die Thesen fanden großen öffentlichen Widerhall, der die Reformation auslöste. Entgegen Luthers Absicht kam es zu einer Kirchenspaltung, zur Bildung evangelisch-lutherischer Kirchen und weiterer Konfessionen des Protestantismus.

Martin Luther King jr.  wurde als Sohn der Lehrerin Alberta Christine Williams King und ihres Ehemanns Martin Luther King , des 2. Predigers der baptistischen Ebenezer-Gemeinde Atlanta geboren. Als Baptisten werden die Mitglieder einer evangelischen Konfessionsfamilie bezeichnet, zu deren besonderen Merkmalen die ausschließliche Praxis der Gläubigentaufe oder Glaubenstaufe ebenso gehört wie die Betonung, dass die Ortsgemeinde für ihr Leben und ihre Lehre selbst verantwortlich ist 

Der Name Martin Luther war für den Vater und später für den Sohn Ausdruck tiefen religiösen Empfindens. Ursprünglich hieß Kings Vater Michael King und er selbst Michael King jr. Der Vater änderte beide Namen nach einer Europareise im Jahre 1934, die ihn auch nach Deutschland führte, zu Ehren von Martin Luther.

Das Bild erzählt die Geschichte zweier Namensbrüder, die in ihrer jeweiligen Zeit für den Protest gegen tradierte Lehren, Glaubensmuster und Ungerechtigkeit standen. Sie unterhalten sich scheinbar zeitlos über ihren jeweiligen Kampf, über die notwendige Veränderungen. Die Szene spielt im Oval Office des Weißen Hauses und soll einen Bogen spannen über die Jahrhunderte, in denen sich an der Aktualität des Aufstands gegen Ungerechtigkeit nichts verändert hat.